Archive for Dezember 2006
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In Buchstaben (verlegt) on Dezember 28, 2006 at 12:29Nachdem ich schon Angst um Paul Austers schriftstellerische Fähigkeiten hatte, scheint „Travels in the Scriptorum“ wieder interessant zu werden.
Sie sind wieder da!
In Zeitläufte on Dezember 27, 2006 at 11:47Ich weiß nicht, ob es Untersuchungen gibt, wie lange ein Bedrohungsszenario braucht, um von den Seiten des Spiegels ins allgemeine Bewusstsein zu wandern. Persönlich würde ich schätzen: ungefähr ein halbes Jahr. Aus diesem Grunde wird es wohl auch so langsam Zeit, dass der „gewaltbereite Linksautonome“ vom Schrecken der Straße zum Schrecken von Verfassungsschützern und Badegästen mutiert. Damit auch der nächste Sommer eine weitere Einschränkung persönlicher Freiheitsrechte mit sich bringen kann-selbstverständlich nur temporär bis zur nächsten Gesetzesvorlage.
Luxus für alle
In AgitProp on Dezember 26, 2006 at 7:24Egal, ob man jetzt kein Geld hat oder vom Weihnachtsessen vollgestopft noch geistig ein wenig träge ist: Esping-Andersens Überlegungen zur Zukunft des europäischen Sozialstaats sind auf jeden Fall äußerst hörenswert. Damit auch die Geldlosen demnächst mal wieder ein wenig schlemmen können. (via misik.at)
The Wind that shook the Barley did not touch my heart
In Schnitt on Dezember 26, 2006 at 12:36Gut, mal wieder einen Film von Ken Loach gesehen. Offensichtlich kommt antiimperialistische Folklore mit leicht zu durchschauender Familiensymbolik gut bei Festival-Jurys an. Könnte aber auch gegen das Cannes-Festival sprechen. Heroismus ist auf jeden Fall nicht meins. Ein idealistischer Bruder wird von einem anderen idealistischen Bruder erschossen, wer da nicht an irische Dickschädeligkeit denkt, ist ein Mensch mit wahrer Herzensgüte. Wie solche Menschen wohl über Loachs Engagement bei John Bergers „Boykottiert Israel-Kampagne“ denken?
Im Kreml brannte noch Licht
In Allgemein on Dezember 19, 2006 at 10:14Gestern abend um 0.15 an der BVB-Geschäftsstelle vorbeigefahren.
Es war noch Neonlicht im vierten Stock.
Nerdism
In Allgemein on Dezember 16, 2006 at 8:47Persönliches Selbstzitat des Tages: In der letzten Folge von The Wire liegt ein verletzter Bewohner des ärmlichen West Baltimore im Krankenhaus, während sein Bettnachbar auf dem Monitor Al Swearengen in charakteristischer Wortwahl zusieht. Und was sagt der WASP-Bettnachbar: „Hehe, he said ‘motherfucker’!“
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In Allgemein on Dezember 16, 2006 at 6:35Hm, da haben die Gerüchte wohl nur halb gestimmt. Interessant aber in jedem Fall die kommentierende Leserschaft. Mich würde aber auch mal interessieren, was an der Spex denn eigentlich noch wichtig gewesen ist? Ich mochte z.B. immer die Themen von Tim Stüttgen ganz gerne, auch wenn bei denen eigentlich fast nur der Spex-Kontext überraschte und sie so gesehen alles andere als „neu“ waren. Judith Halberstam, z.B. ist ein gutes und interessantes Thema, aber in den USA durchaus schon eine der Größen der Queer Theory.
Vielleicht ist diese Erwartungshaltung aber die eigentliche Macke an Spex. Anstatt politische und theoretische Auseinandersetzungen mitzutragen, kam es mir sovor, als ob selbst die Theorie immer als Neuigkeit mit naheliegendem VÖ-Datum verkauft wurde, die Artikel waren sehr hermetisch und haben nur wenig auf andere Veröffentlichungen Bezug genommen. War es nicht super, über ein Thema einen Artikel in der Jungle World zu lesen, dann die entsprechende Perspektive in Spex und dann noch eine andere an wieder einem anderen Ort, aber alle durch ein Milieu irgendwie verbunden? Aber das ist irgendwie vorbei, warum das so ist? Keine Ahnung…
Verschämte Eigenwerbung
In Hausieren on Dezember 15, 2006 at 1:17Menschen mit einem etwas besser sortierten Bahnhofskiosk können jetzt endlich die neue Ausgabe der Skug in den Händen halten, diesmal mit dem großen Thema der Lebenslieben. Noel Akchote liebt Kylie Minogue, ich schreibe über die großen Idole von Matmos und Guy Maddin berichtet von Romanzen in Technicolor. Daneben gibt es noch eine Menge anderer Druckschwärzeverschwendung über The Monks, Ed Banger, den Berliner Turntable(l)isten Ignaz Schick sowie Menschen, Tieren, Sensationen und einem nicht besonders gut versteckten Altherrenwitz.
In Allgemein on Dezember 12, 2006 at 12:07
Schön ist ja auch, wie viele dieser „Meine Zeit mit Tempo“-Artikel im letzten Absatz auf den blonden Schnösel hinweisen, der kurz vor dem Ende der Zeitschrift in der Redaktion anheuerte. Wenn ich mal ein Prominentenlexikon oder das Register der Gala schreibe, werde ich „Schnösel“ vor „Schwiegersohn“ setzen und hinter letzteren „s.a. Bundeskanzler (gefühlt)“
Keine neuen Eitelkeiten
In Allgemein on Dezember 11, 2006 at 10:54Ulf Poschardt ist ein Blattmacher, bei dem man sich wünscht, er würde ein solches häufiger vor den Mund nehmen. Trotzdem möchte ich ihm ein großes Lob für den Internetauftritt der deutschen Ausgabe von Vanity Fair aussprechen. Wer vollmundig verkündet: „Jede Lektüre wird zum Abenteuer: Stereotypen und Klischees haben keine Chance. Überraschung ist Pflicht“ und dabei eine Fotoleiste laufen lässt, die das Brandenburger Tor, Schumi und Beckenbauer beim Pläuschchen, Moritz Bleibtreu beim Busseln des Bären und die Klassenstreberinnen Angie und Condie beim Tuscheln präsentiert, dem glaubt man aufs Wort, dass sich seine Zeitschrift an Leser wendet, die „in Serien wie „Sex and the City“ mit diesem Heft konfrontiert worden“ sind.
Klüngel-News
In Allgemein on Dezember 11, 2006 at 8:35
Was musste ich gestern vorm Abendessen erfahren? Die Spex macht angeblich nach der nächsten Doppelnummer dicht, der einzige Umzugswillige hat wohl die Kündigung erhalten, Miese habe man eh schon länger gemacht und da der Rest der Redaktion lieber im Schatten von Dom und Stereo Wonderland sein Kölsch schlürft, war’s das dann wohl.
PS: Wenn das nur eins dieser Medienklatsch-Gerüchte sein sollte, bei mir habt ihr zuerst geglaubt!
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In Allgemein on Dezember 10, 2006 at 1:21Die Suchanfragen „Dietmar Dath“ machen mittlerweile einen nicht unbeträchtlichen Teil der Logs aus, damit das so bleibt, hier noch ein weiterer Hinweis:
Kennt jemand eigentlich Jerome Bruners „Actual Minds, Possible Worlds“? Bruner expliziert dort einen „narrative mode of thought“ und stellt diesem dem logisch-deduktiven Denken einher.
Endlich mal Zielgruppe
In Allgemein on Dezember 7, 2006 at 12:32Home sweet Home
In Allgemein on Dezember 7, 2006 at 12:02
In Abwesenheit eines unmittelbar bevorstehenden Anlasses hab ich auch mal ein wenig im stillen Kämmerlein gebrütet. Wenn es richtig ist, dass die US-Armee die Äußerungen von Soldaten in Blogs zulässt, was macht das Fernsehen eigentlich aus diesen Geschichten?
Und bin dann auf „Over there“ gestoßen, eine kurze Serie von Steven Bochco, die sowohl bei Iraksoldaten als auch beim breiten Publikum kein besonderes Wohlgefallen gefunden hat. Dann sind mir mehr Beispiele eingefallen.
Bei Veronica Mars gibt es in Staffel 2 die Figur von Lucky, dessen Namensgebung wohl zu offensichtlich ironisch ist. Als Mißbrauchsopfer und Golfkriegs-Verwundeter ist er der Hausmeister der High School und sein Freundeskreis besteht aus High School-Students, denen er billiges Dope besorgt. Selbstverständlich muss er irgendwann durchdrehen, welche der beiden Vorgeschichten da ursächlicher ist, bleibt offen.
In Studio 60 on the Sunset Strip sind die Anspielungen auf Irak und den Red-Blue Divide auch ziemlich offensichtlich. Nicht nur kritisiert Aaron Sorkin gleich in der ersten Folge die Fixierung aktueller Comedy, also Colbert und Jon Stewart, auf den Präsidenten, die neverending romance zwischen Harriet und Matt soll wohl irgendwie symbolisch für die Versöhnung von (christlichem) Heartland und (jüdischer) Liberalität stehen. Ganz offensichtlich wird es jedoch in der Doppelfolge „Nevada Day„. John Skeeter wird in ein ziemliches Wüstennest namens Perumb, Nevada gebracht, weil er dort nicht zu einer Gerichtsverhandlung erschienen ist. Der örtliche Richter lässt den jungen Comedy-Star erst zappeln, dann aber laufen, weil sein Bruder sich schon zum dritten Mal als Soldat für den Irak verpflichtet hat.
Über Battlestar Galactica und den Irakkrieg ist ja schon eine Menge geschrieben worden, interessant erscheinen mir dabei die ersten fünf Folgen der dritten Staffel. Nachdem also die Kämpfe um New Caprica vorbei sind, kehren die Siedler zurück auf die Galactica, wo Saul Tigh Selbstjustiz mit vermeintlichen Verrätern betreibt. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen denen die „with us“ or „against us“ waren, in nicht zu übersehender Weise.
Vorläufige Conclusio:
1. Serien ohne realistischen Anspruch (VM, Galactica) scheinen eine drastischere Darstellung der Kriegsheimkehrerproblematik zu ermöglichen.
2. Das Thema Irak scheint im Fernsehen niemand so wirklich zu interessieren. Over There wurde nach der ersten Staffel nicht verlängert, bei Studio 60 stand eine Fortsetzung auch lange Zeit in den Sternen, besonders im Vergleich mit Sorkins sonstigen Erfolgen selbstverständlich eine ziemliche Enttäuschung. Wie wohl die Zugriffszahlen bei Blogs sind?
3. Was tatsächlich noch nicht aufgetreten zu sein scheint, ist die Darstellung eines prototypischen Kriegsheimkehrers wie z.B. Ron Kovic in Born on the Fourth of July. Warum das so ist, kann ich mir noch nicht so ganz erklären.
Geteilte Ratlosigkeit ist halbe Ratlosigkeit, ist sonst noch jemandem was Interessantes dazu eingefallen? Ich musste auch z.B. an Harald Welzer und seine Studien über die Erinnerung von Kriegsheimkehrern denken, in denen er herausgefunden hat, wie sehr fiktionale Darstellungen auf die Erinnerung zurückwirken. Ideas anyone?