So, ich weiss zwar noch nicht ganz, ob es mit dem Export klappen wird, der Wissenstransfer kann sich daher noch ein wenig hinziehen, aber aktuelle Dinge findet man derweil wieder unter kubia.twoday.net, wo man den Bildschirm schlicht und ergreifend leserfreundlicher gestalten kann.
Archive for the ‘Mittendrin’ Category
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In Mittendrin on Juni 26, 2008 at 3:10Gestern stand ich dann auf einmal im Niemandsland zwischen den beiden Fangruppen.
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In Mittendrin on Juni 25, 2008 at 4:25Heute ist wohl Fußball. In der Mensa wurde meine Kollegin von einem Bekannten angesprochen, für wen sie denn die Daumen drücken würde. Nur kommt sie aus Malaysia und hat sowohl mit Fußball als auch mit den merkwürdigen Sozialdiskurs rund um das Halbfinale nix am Hut. Was soll man dazu sagen?
Mich persönlich nervt die Deutschlandfahne, die am Nebengebäude hängt, ein wenig. Immer wenn ich den Blick Richtung Ruhrtal richte, gerät sie ins Sichtfeld und lenkt von der beruhigenden Monotonie der Betonarchitektur ab. „Das Bekenntnis zur Herkunft zählt wieder was in dieser Republik“, schreibt Berthold Köhler in der ehemaligen Frakturspalte der FAZ. Im Kiosk beim Borsigplatz kann man kein Eis mehr kaufen, ohne an der Kasse die Fahnenstöckchen zur Seite zu räumen, damit Platz für das Kleingeld ist.
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In Mittendrin on Juni 15, 2008 at 4:25Die ganze Stadt war voll mit Teenies, schwarzen Pullis, bunten Haaren. Im Zug redeten sie darüber, wie toll Tokio sein muss, wie geil das samstägliche Cosplayer-Treffen an der Domplatte ist. Ich mochte das.
In Mittendrin on Mai 31, 2008 at 2:36

Gestern abend war ich hier, leider nur vier Filme lang. Dafür war alles vertreten: das Rührstück, die Jitter-Werbeshow, die kritzelige Animation mit starkem Rob Reger-Einfluss und der schnell geschnittene Beitrag gegen Gott und sein Werk. Zum Schluss sagte die Ansagerin „You can take a part in the discussion“, ich fragte mich, ob man dafür gecastet würde oder ob man mit der Diskussionsleiterin befreundet sein muss, und machte mich auf den Heimweg der liegengebliebenen Züge. Das Nachwuchsschauen ging dort weiter, ich hab mich nicht getraut, mein Buch zu lesen.
Liebesgrüße
In Mittendrin on Mai 14, 2008 at 12:02Im Zug. Nebenan ein Anruf beim Boyfriend: „Stör ich?…Achso, der H. ist unterwegs. Naja, der A. kommt gleich vorbei, du weisst schon, meine Ex-Affäre.“
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In Mittendrin on April 15, 2008 at 4:28Heute gesehen: mit Kreide getaggtes Gebäude. Nicht an den Franzosen gedacht.
Does it become easier?
In Mittendrin on März 30, 2008 at 5:41Gestern bei Polarkreis18 gewesen, dafür Dank an C. Dennoch – „besser als erwartet“ ist wenig schmeichelhaft, oder? Aber es ist nicht nur das Gefühlige an der Musik, was stört, die Tatsache, dass eine behütete Jugend nicht mit großen Ideen anstelle von großen Gesten aufwarten kann, es ist der Rahmen, der den Ton angibt.



Vorher, am Nachmittag, ging ich, wenig im Magen, den Kopf in flirrender Trägheit vom Abend davor, durchs Brückviertel. „Das sind nicht die Nazis, die sind gegen Nazis“, sagte eine gepiercte Mittdreißigerin zu einer Gruppe Teenager, die staunend vor der „Schmuddel-Gedenkdemo“ standen. Gründe dafür gibt es genug. Auch ein Grund: Gegenüber von der Hirsch-Q wird ein neues Orchesterzentrum gebaut, ein Schritt zur „Aufwertung“ des Brückviertels zum „Szeneviertel“, mit allem, was dazu gehört. Das macht das Konzert von sechs Hübschen aus Dresden halt auch so schwierig: ihre Version von anspruchsvollem und sauberen Pop zur Aufhübschung der einzigen Gegend, in der so etwas wie Pop vor einiger Zeit in Dortmund überhaupt möglich war.
Heute nachmittag bemerkt: In der Sternstraße kann man Legendary Pink Dots-Postkarten im Fenster entdecken, in der Neuen Tremoniastraße jätete eine Frau mit Winterkälte-Shirt das Unkraut des neuen Reihenhauses.
Bestes Drehbuch
In Mittendrin on Februar 25, 2008 at 9:52Ich: „Was machst du denn so?“
Er: „Vorzugsweise nichts.“
Dear Diary
In Mittendrin on Februar 11, 2008 at 1:22
Heute gelernt: Im Dortmunder Norden gibt es zwei Fußballvereine sowie zwei Kleingartenvereinsheime samt angehörigem Verein. Ansonsten: 1700 Zeichen können sehr lang werden.
In Mittendrin on Januar 13, 2008 at 1:29
„Magst du Schokolade?“, fragte N. mich beim Besuch im Dorf. Klar, aber der Schokoladenladen hatte ebenso geschlossen wie der Buchladen, schade, dass es kein Bauchladen war. Früher hatte ich mir das mal gewünscht, einen Buchmann anstelle des Brezelmanns in der Kleinstadtkneipe, für einen Euro erhält man einen Band nach Wahl des Verkäufers. Aber das gibt es nicht, genausowenig wie es noch Rauch in Hessens Kneipen gibt. N. freute sich darüber, dass man im Dorf noch Bier und Zigaretten gleichzeitig zu sich nehmen darf und schritt zur Tat. Die kleine Kneipe war fast leer, nur zwei grauhaarige Männer saßen am Nebentisch und rauchten Selbstgedrehte, im Hintergrund lief Elvis. Manchmal sprachen sie: „Ich mag diese alten Platten, aber bleib mir weg mit Stereo.“
Heute Präferenztag
In Mittendrin on Januar 10, 2008 at 3:31umkreisen
zusehen
liegenlassen
kategorie:niemand
thinking immagically
passagenriten links s.punkt 3
In Mittendrin on November 16, 2007 at 6:49
In Mittendrin on November 13, 2007 at 1:08
Vielleicht ist diese Belanglosigkeit aber auch nur ein Nebenprodukt einer Mentalität, die ich mir angewöhnt habe. So als ob Aktualität oder Zeitzeugenschaft schon ein Wert an sich wäre. Aber was soll man tun, wenn die Tage sich dem Zugfahrplan angleichen, die eigenen Studierenden nicht mal mehr Roland Barthes mögen, ja gleich nach seiner Nützlichkeit fragen und man dann wohl kaum mit der Lust am Text um die Ecke kommen kann, weil man dann denkt, sie werden RB für immer hassen, das kannst du ihm nicht antun. Kopfkratzen galore, mit Sahnehäubchen Schulterzucken.
In Mittendrin on November 13, 2007 at 12:59
Ja, irgendwie ist hier schon auch ein wenig Belanglosigkeitszeit.
Heute, morgen, gestern
In Mittendrin on November 5, 2007 at 2:10Ok, mein Leben wird auch immer uninteressanter. Und dann auch noch Cobblestone Jazz verpasst.
Schrei nach Liebe
In Mittendrin on November 3, 2007 at 10:07
Wissensmanagement – falls jemand eine Lösung kennt, mit der man unter Linux und OpenOffice problemlos MLA-Zitate einfügen kann, der möge sich bitte melden. „Ich brauche Hilfe! Ich habe Angst! Hilfe!“ (Tilo Wolff)
Edit: Na, das ist die Lösung: Zotero + OpenOffice klappt ganz hervorragend
In Mittendrin on Oktober 27, 2007 at 11:45

Bodenstand! Echtes Leben! Ausrufezeichen! Mittlerweile also hier angekommen, mal besser, mal schlechter. Eigentlich ganz nett, man hat eh nicht so viel Zeit, sich um die outside world zu kümmern. Was mir allerdings auffällt: Nach sieben ist kaum noch jemand am Campus, die Menschen in den Bibliotheken sind dafür freundlich und sehr hilfsbereit.
Canadian Trails: Fantasiereisen
In Mittendrin on Oktober 8, 2007 at 3:56
Pop Montréal ist eine leise Veranstaltung. Gäbe es nicht die Gruppen von Indie-Fans, die mit ausgebreiteten Städtplänen vor den Cafés herumlungern, nur wenige würden Notiz nehmen, von dem Festival, das jeden Herbst den kanadischen Musiknachwuchs und einige Pop-Legenden wie Pere Ubu und Half Japanese in die Stadt bringt. Denn Geschäfte werden hier nicht gemacht. An der McGill University, im Schatten der Bürotürme der Innenstadt, diskutiert Patti Smith über Pop und Politik, während weiter nördlich enthusiastische Kids Plakate für die Auftritte ihrer Bands an die Straßenlaternen des Boulevard St.Laurent kleben.
„La Rue Indie Rock“ nennt sie der kanado-italienische Filmemacher Paul Tana, der das Viertel seit seiner Jugend kennt.
Früher lebten hier italienische Einwanderer, viele kamen zu Geld und zogen in die Vororte, Künstler und Musiker füllten die leerstehenden Apartments. Heute ist es von den Zeichen des Kleinunternehmertums durchzogen: Plattenläden, Boutiquen, Designerläden und über ihren Laptops hockende Post-Teenager. Verschwunden ist das alte Montréal trotzdem nicht. „Ukrainian Foundation“ heisst der Veranstaltungsort, an dem Owen Pallett zusammen mit Stephanie Comilang die Menschen zum Schwitzen bringt. Es ist ein altes ukrainisches Gemeindezentrum, ausgestattet mit Klappsitzen, Empore und Kirchenorgel. Und der hagere Pallett präsentierte sich charmant, zupfte und loopte seine Geige und blieb dabei so bescheiden, wie es sich für einen freundlichen und liebenswerten Kanadier gehört. Comilang präsentierte derweil ihre Scherenschnitte aus Eulen, Rittern und abstrakten Landschafteten, die die wundervollen Song-Miniaturen illustrierten und ihre liebevolle Handarbeit nicht verbergen wollten. Während dessen schluchzte Pallett auf der Bühne hingebungsvoll, aber nicht ironiefrei, bis er schließlich erschöpft mit seinem „biggest hit“ von der Bühne geht. Toll.
Canadian Trails: Vertäfelung und Waschbeton
In Mittendrin on Oktober 2, 2007 at 10:33Auch in Montréal war in den Siebzigern die Staatsquote hoch. Am Flughafen eine beeindruckende Schlange vor einer noch beeindruckenderen Holzvertäfelung, in der Metro Waschbeton – Zeichen eines schnell zu errichtenden Fortschritts. Leider verhinderten die Sicherheitsbeamten auf Pierre Trudeau ein Foto. Ansonsten reagiere ich leicht genervt auf Studierendenviertel und stelle fest: American Apparel hat es ohne Label geschafft, dass man ihre Klamotten auf 10m Entfernung erkennt, nicht nur an jeder 4. Ecke, wo es ihre Läden gibt.
Up, Up and away
In Mittendrin on Oktober 1, 2007 at 9:44So, ich werde mich in den nächsten Tagen mal dort herumtreiben, dann weiter nach Ottawa und Toronto.
(Foto:Matt Hintsa/cc)
In Mittendrin on September 22, 2007 at 6:48
0:30, anderes Ambiente
In Mittendrin on September 22, 2007 at 1:43
Gestern abend im Ruhrgebiet gewesen. Eigentlich Ausgehabend, sollte man meinen. J. und H. fragten also im Essener Technoplattenladen nach, wo man hingehen könnte. „Wenn ihr nur so’n bisschen Techno und Mädels grabschen wollt, dann in die Capri-Bar“, war die Antwort.
Haben wir uns geschenkt, sind stattdessen nach Bochum in die Goldkante gefahren. „Dass die Leute auch nicht verstehen, wieviel Lebensqualität gute Clubs und Bars mit sich bringen“, meinte J. und ich musste an Ann Markusen und ihren Vortrag am Montag denken. Investitionen in Kultur, meinte sie, sollten an der lokalen Community nicht vorbeigehen. Vorher hatte ein Typ von Grey geredet:“How to attract creative people“ – Standortpolitik, halt gut für Investionen und vielleicht auch für die Aufmerksamkeit der Kulturhauptstädter. Achja, in der Goldkante kann man sich prächtig unterhalten. Ist übrigens ein selbstorganisierter Verein.
In Mittendrin on September 12, 2007 at 12:12
Ah, wo wir gerade schon mal beim Ruhrpott sind. Die Folgeschädenverursacher heissen ab heute Evonik, ob der Namensgeber, übrigens ein „Kreativ mit C“-Creativer, denn auch die klangliche Nähe zu Tektonik berücksichtigt hat?
Bummel über die A40
In Mittendrin on September 12, 2007 at 12:00
Bodos Büdchen – da fehlt eigentlich nur das Apostroph, schon wäre es „original“. Pott2Null ist eine Entdeckungsreise in das Land von Kulturzechen und Zechkulturen, so man so will. Das ist nett gemacht, aber hat ein wenig den naiven Charme von Mark Twains Bummel durch Europa, dabei wohnen die beiden Autorinnen nur 15 Zugminuten von Duisburg entfernt. Einen scharfen Blick haben sie trotzdem:
Und so begab es sich, dass Mario Adorf nach dem Konzert seinen Geburtstag in diesem interessanten Umfeld feierte. Das hatte er, wie Triennale-Chef Jürgen Flimm enthüllte, offenbar sehenden Auges so entschieden „Ach, ich soll am 8. September auftreten? Da hab ich Geburtstag, da komme ich gern!“, soll er am Telefon gesagt haben.Und das hat uns dann doch sehr überrascht. Da saß er nun mit den Herren Müller, Cromme, Eick, Flimm und Fritz Pleitgen und machte in Business und Großer Bellheim. Wir wären jede Wette eingegangen, dass Adorf an so einem Tag zu Hause eine Flasche Rotwein aufmacht und den lieben Gott einen guten Mann sein lässt – oder alternativ bei einem In-Italiener eine Party schmeißt, bei der Hannelore Elsner auftaucht, ihm das Hemd aufreißt und ihm sagt, dass er auch mit 77 Jahren noch total sexy aussieht.
Schade, dass man sowas nicht an Bodos Büdchen lesen kann.
In Mittendrin on August 27, 2007 at 2:57
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Migriert, sozusagen. Vom System her. Frage mich manchmal, wann das angefangen hat, dass man so auch über Computer reden konnte und nicht nur über Republikflüchtlinge.
Exzellenter Warteraum
In Mittendrin on August 17, 2007 at 11:40
Dahinter verbargen sich vier neugierige Gesichter und zwei Studentinnen
In Mittendrin on Juni 24, 2007 at 9:53
Punkt viertel vor zehn erklingen die Kirchenglocken der großen Kirche in der kleinen mittelhessischen Stadt und der Schall verfängt sich zwischen den Häusern, bis er wie ein Didgeridoo klingt.
In Mittendrin on Juni 20, 2007 at 11:09
Sozialplan, Transfergesellschaft, Sozialtarif oder doch gerettet?
Déformation professionelle
In Mittendrin on Juni 9, 2007 at 4:47Gestern abend.
Er: „Eigentlich könnte ich gar keine Geschichten erzählen, nur wo ich gewesen bin und wann.“
Ich: „Keine Neuigkeit, gab’s doch vor 15 Jahren schonmal ein Buch drüber.“
Zum Glück dann doch nur „Hmmmm“ gebrummt und wohlwollend genickt.
In Mittendrin on Juni 30, 2006 at 1:00
Mit bestem Dank an Johannes für die Madeleine…
In Mittendrin on Juni 25, 2006 at 1:00
Komischer Tag war das heute: Erst einen tollen Text von Kathrin Passig beim Bachmann-Wettbewerb gehört, dann eine merkwürdige Zugfahrt, bei der ich beim Umsteigen durch Lautsprecher-Durchsage erfahren durfte, dass Schweden nur noch mit 10 Mann auf dem Platz ist, dann ein Paar im Zug gehabt, dass sich über ein Faltblatt von Fort Fun ausgetauscht hat und zu guter Letzt noch ein 3stündiges Hupkonzert mit anschließender Gesangsperformance von ein paar stimmbrüchigen jungen Herren, die „Steht auf, wenn ihr Deutsche seid!“ zum Besten gaben. Bin dann einfach mal vorm Fernseher sitzen geblieben und hab gesehen, wie Julian Casablancas die Kamera mit dem Mikroständer zerlegt und mich dann an den Zivildienst-Kollegen erinnert, der beim allerersten Hurricane fast die Monitorbox abbekommen hätte, die Iggy Pop von der Bühne gekickt hat. Rock ‘n’ Roll will never dead.
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Miminalmoral?
In Mittendrin on April 22, 2006 at 1:00Diese Details im Hinterkopf lauschte ich also den Erzählungen aus den USA, lernte, dass die Menschen in den USA stark gegen den körperlichen Verfall ankämpften, der Jetlag anstrengend und der Vortragsraum äußerst angenehm eingerichtet gewesen sei. Gleiches gelte auch für die Reaktion der Zuhörer, nach dem Vortrag sei ein kleiner Jude namens Dave, man müsse nämlich wissen, dass es von diesen Leuten in bestimmten Kreisen ziemlich viele gäbe, zum Vortragenden gekommen und habe um Rat gefragt, wie man denn auch ein großer Denker werden könne. „2 Bücher bis 35″ habe er geantwortet, meinte der Vortragende und mir ist bis jetzt noch nicht so wirklich klar, ob die Frage auf die Person Auerbachs oder Vortragenden gezielt hat, aber ich schweife ab. Folgendermaßen ging es dann nämlich weiter, denn schließlich sei Auerbach ja nicht der einzige Intellektuelle gewesen, der die USA zu seiner Zwangsheimat gemacht habe, Kracauer und Panofsky, zum Beispiel hätten beide in New York Halt gemacht. Dass auch Adorno bis 1941 in New York lebte, scheint der Marburger Professor nicht für erwähnenswert gehalten zu haben. Dies alles über mich ergehen lassend, schließlich war ich ja gekommen, um meiner Kommilitonin zur guten Note zu gratulieren, drifteten meine Gedanken langsam in angenehmere Gefilde ab, bis mich der Vortragsreisende wieder in die Gegenwart zurückholte und das äußerst unsanft. Ein Wissenschaftler in New York habe es folgendermaßen ausgedrückt: der Hitler schüttele am Baume und wir sammeln die Früchte ein. Schadenfroh lachte ich, das hatten die blöden Deutschen auch verdient, aber schon einige Momente später war ich mir der Angemessenheit meines Gelächters nicht mehr sicher. Was war denn mit Walter Benjamin, dem Freund von Auerbach, der auf der Flucht in Spanien ums Leben kam? Und was war eigentlich mit den „Früchten“, die das Pech hatten von den Nazis in die Waggons nach Auschwitz und Treblinka aufgesammelt zu werden? Und so fügte sich eins zum anderen, die Rede von den „zwölf schlimmen Jahren“ in den Vorlesungen, die Bemerkungen über diese Leute, die sich in bestimmten Kreisen sammeln würden und so weiter und so fort. Was ich bisher nur aus Erzählungen Dritter kannte, wurde mir nun quasi auf dem Silbertablett serviert, keine besonders schöne Erfahrung, aber durchaus mitteilenswert.
Glücklich darüber, dass der Vortragsreisende nicht mein Prüfer ist und frustriert über soviel Ignoranz im fortgeschrittenen und durchaus belesenen Lebensalter ging ich wieder an meine Karteikarten, freute mich darauf, das Kapitel Marburg bald beenden zu können und verspüre seitdem den Drang, auch einmal einen Blogeintrag mit Adorno zu beenden:
„Die Behauptung, daß Hitler die deutsche Kultur zerstört habe, ich nichts weiter als ein Reklametrick derer, die sie von ihren Telefontischen aus wieder aufbauen wollen.“
Hm, das hat wirklich geholfen…
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Die Sidebar macht’s!
In Mittendrin on Januar 16, 2006 at 1:00
Endlich brauchen wir uns nichts mehr vorzumachen. Wer immer noch denkt, dass diese „current music“-Felder in Foren, blogs oder sonstigen Digitalkommunikationskanälen zur Darstellung eines außerordentlichen Musikgeschmacks gedacht wären, wird hiermit endlich eines Besseren belehrt. Amerikanische Wissenschaftler (sic!) haben tatsächlich herausgefunden, dass junge College-Studenten in Musik und Persönlichkeitsprofil im Grunde genommen eins sind, nämlich durch und durch kongruent. Was heisst das nun konkret?
„Die Studie lege nahe, dass Menschen „ein intuitives Verständnis der Verbindungen zwischen musikalischen Vorlieben und der Persönlichkeit“ besitzen, schreiben Rentfrow und Gosling. So seien Freunde von energiegeladener, enthusiastischer Gesangsmusik korrekt als extravertiert eingeordnet worden. Anhänger von Country-Musik seien von den anderen Teilnehmern als emotional stabil und Jazz-Liebhaber als intellektuell charakterisiert worden – was ebenfalls stimme. Diese Zusammenhänge erlaubten es, relativ zuverlässig vom Musikgeschmack eines Menschen auf dessen Persönlichkeit zu schließen, fassen die Forscher zusammen.“
So, damit jetzt auch alle Bescheid wissen: Meine momentane Liste schwankt zwischen Country-Musik mit (Souled American) und ohne (Skygreen Leopards) enthusiastischem Gesang, energiegeladener Musik ohne störende Vocals (Vibracathedral Orchestra) und Krautrockzitat-Electronica (Jan Jelinek). Vermutlich macht mich das dann zu einem emotional stabilen extravertierten Kopisten ohne Intellekt. Grund genug noch schnell eine John Coltrane-Platte aufzulegen…














