kubia

Archive for Juli 2006|Monthly archive page

I’d rather be nobody.

In Allgemein on Juli 28, 2006 at 9:31 am

Nach 15 Minuten des Wackersdorf-Films sofort verstanden, warum Authentizität blöd ist. „Total“ kollokiert mit „wichtig“, Sterne sind nicht vorhanden, nichtmal die kalten der Neubauten, der Himmel ist auch leer, aber Gott hat sich nicht erschossen und das Dachgeschoss wird auch nicht ausgebaut. Sympathisch aber der Ruheständler, der meinte, wenn er nicht so alt sei, würde er auch helfen, die WAA „umzubringen“. Ach ja, Atomkraft ist selbstverständlich blöder.

In Allgemein on Juli 26, 2006 at 11:45 am

O Gedächtnis, wärst du mir doch nur so treu wie meine Rosinante! Zwei wichtige Utensilien im heimischen Domizil vergessend strandete ich knurrenden Magens in Meschede, Einkehrort und Ausgehstadt.

So machte ich mich dann auf die Suche nach einer Gaststätte und fand doch nur Verwirrung. Nachdem ich den Schlemmertreff und Mäc Snäck aufgrund mangelhafter Sitzgelegenheiten am Wegesrand zurückließ, kehrte ich in der Außenbewirtschaftung des Mescheder Grills ein, wohlweisslich, dass sich das Haus meines ehemaligen Physiklehrers nur einige Meter hinter meinem Rücken befand und vertrieb mir die Wartezeit mit der Enträtselung des örtlichen Parkleitsystems und folkloristischer Bauwerke.


Nicht genug verwundert über die sich vor mir auftuenden Rätsel wunderte mich auch die Abwesenheit eines Falafel-Gerichts auf der Speisekarte der von türkischen Mitbürgern bewirtschafteten Lokalität. Sollte das Gerücht, das mein Anhang verbreitet hatte, mit Wahrheit behaftet sein und der islamisch geprägte Kulinarraum im Gegensatz zum Marburger Libanesen keinen Platz für die jüdische Kichererbse kennen? Rätsel über Rätsel.

Merkwürdig auch die in der Heiligenstadt gepflegte Hagiographie. Das unter Schirmherrschaft von Dr. Friedrich Merz abgehaltene Beats für Benefiz zeugte mir schon von einer merkwürdigen Wahl prominenter Schutzpatrone, doch der Anrufung dieses christdemokratischen Heiligens wusste ich nichts zu entgegnen.

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In Allgemein on Juli 21, 2006 at 9:40 am

… come morning I’ll be through them hills and gone.

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In Zeitläufte on Juli 18, 2006 at 1:00 am

Komm gar nicht mehr aus dem Aufregen darüber hinaus, wie unglaublich wütend mich Bier-Werbespots machen….aber interessant ist eigentlich dieser Bericht über die Problematik im Nahen Osten.

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In Allgemein on Juli 14, 2006 at 4:16 pm

In Zeiten studentischer Protestbewegungen stelle ich mir eine Redaktionssitzung linksradikaler Medien ungefähr wie folgt vor:

CvD: ..und dann wäre da noch das Thema „Studentenproteste“. Die sind ja nicht zimperlich diesmal. Aber was haben sie theoretisch zu bieten? Wollen wir darüber was machen?

Unterdessen langweilen sich die Redakteure, lesen lieber de-bug oder Titanic, bevor sie sich einer nach dem andern verabschieden. Übrig bleibt der eifrige Praktikant, selbst Student und sehr belesen, dem der letzte den Raum verlassende Redakteur noch den Tipp gibt, mal das Archiv aufzusuchen, da gäbe es bestimmt noch einen Artikel vom letzten Mal, bei dem man nur die Namen. „Ha“, denkt sich der Praktikant, „das hätten die wohl gerne. Denen muss wohl mal gezeigt werden, wo der Hammer hängt. Schließlich hat sich schon Walter Benjamin ausgiebig mit der Problematik beschäftigt, das kann man nicht einfach so zwischen Tür und Angel abhandeln“, worauf er in Nachtarbeit einen langen Essay über die notwendige Widersprüchlichkeit der Argumentations- und Demarkationslinien innerhalb der immateriell tätigen Multitude in Vorbereitung auf eine Karriere als Dauerpraktikant verfasst.
Als er das Werk am nächsten Morgen einreicht, gibt ihm der zuständige Redakteur mit einem bedauernden Zucken der Augenbraue den Ausdruck zurück: „Sehr durchdacht, aber viel zu lang. Setz dich mal mit X zusammen, aber nicht länger als 600 Zeichen.“ X hingegen will schnell fertig mit dem Artikel werden, schließlich hat sich seit seinen Tagen als Hausbesetzer nicht viel im Studentenmilieu getan. „Immer noch das alte Elend“, schimpft er, „die sollten lieber mal ein Buch lesen, anstatt ständig auf die Autobahn zu rennen.“ Und schreibt noch schnell ein paar Zeilen, schließlich ist nachher Hot Chip-Konzert, das möchte er ungern verpassen. Säuerlich geht der Praktikant nach Hause, nimmt sich die Dialektik der Aufklärung zur Hand und schmollt.

Warum das alles? Na, deshalb...

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In Allgemein on Juli 9, 2006 at 9:13 pm

Samstag während der Zugfahrt gesehen: eine Wäschespinne, beflaggt mit Schwarz-Rot-Gold. Später beim Aussteigen in Arnsberg dann drei junge Herren in schwarz mit Antifaschistische Aktion-Fahne und Dosenbier. Mich dann spontan entschlossen, die nächsten drei Monate optimistischer anzugehen. Gerade weil die WM dann vorbei ist.

„Den Deutschen wurden dagegen die neuen prekären Verhältnisse fußballästhetisch als Nationalcharakter vorgespielt. Und sie haben ihn angenommen, nicht nur fußballästhetisch, sondern auch in der Vergesellschaftungsform der Zwangsparty mit all ihren postfordistischen Performances, das Dabeisein garantierenden Ehrenämtern und serviceindustriellen Kurzarbeitsverhältnissen. Diese Form wird bleiben, die Begeisterung über sie aber abnehmen. Die Ideologen werden noch eine Weile weiter diese Begeisterung als Begeisterung für Deutschland einfordern. Dann ist übrigens auch bald wieder Love Parade. Und Tour de France. Zum Bundesliga-Beginn kehrt dann wieder Ruhe ein.“

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In Allgemein on Juli 3, 2006 at 6:42 pm

Long time, no hear. Endlich mal wieder Zeit gehabt, die Musikliste auf einen aktuellen Stand zu bringen. Aber was heißt hier schon aktuell? Die Tendenz zum Spätwerk ist ja doch irgendwie auffällig.

Auch wenn Dubstep gerade die Musik der Stunde zu sein scheint, was mich für Mike Paradinas und sein hervorragendes Label Planet Mu freut, scheint hier ein Künstler die schon lange nötigen Props zu bekommen, schließlich ist Tango’n’Vectif ja auch schon 12 Jahre alt, oder nicht?

12 Jahre vergangen sind dann auch seit der „Neuerfindung“ der Goldenen Zitronen aus dem Geist des Funpunk, an den Tag als Thomas Anders starb kann ich mich jedenfalls nicht mehr erinnern. Und auch wenn man innerhalb dieser 12 Jahre seine Nische im Kulturbetrieb gefunden zu haben scheint, spricht das nicht gegen die Band, die auch auf „Lenin“ Unannehmlichkeiten vortrefflich zu benennen weiß, ohne den Verdacht der Linientreue auf sich zu ziehen. Schön auch der Diskussionstoff für die eher der Kaderschmiede zugeneigte Fraktion der Linken. Dass Lenins Worte zu Traktoren wurden, wie es da im Titelstück heißt, ist dann wohl eine klare Zurückweisung der Worte Stalins: „Es ist nicht schwer zu begreifen, dass, wenn die Sprache materielle Güter erzeugen könnte, die Schwätzer die reichsten Menschen in der Welt sein würden.“ Dies nur als Hinweis gedacht…

Jan St. Werner dagegen scheint schon im Stadium der Lebenswerk-Präsentation angekommen zu sein. Nachdem er in letzter Zeit eher durch publizistische und kuratorische Tätigkeit von sich reden machte, kann man auf Queries nochmal all die vergriffenen und nicht publizierten Stücke seines nur zu lobenden Projektes Lithops bestaunen und sich in Nostalgie ob der schönen Pluckerbeats ergehen. Da hat jemand eine Sound Signature gefunden.

Das haben This Heat natürlich nicht mehr nötig. Nachdem sie in den späten 70ern/frühen 80ern so ziemlich den gesamten MathRock und Post-Rock vorweggenommen haben, wurde es dann wohl auch mal Zeit für das 6CD-Boxset. Glückwunsch und weiter im Text.

Ohne Hommage scheint es auch in der experimentellen Musik nicht mehr zu laufen. Im Falle von Jazkamer heißt der Geehrte Lou Reed, dessen „Metal Machine Music“ außer dem Albumtitel wohl nur die inflationäre Verwendung von Gitarren mit dem Werk von Lasse Marhaug und John Hegre gemeinsam hat. Für dieses Album holte man sich Verstärkung aus der BlackMetal-Szene Norwegens und so klingt’s dann auch. Das Titelstück kommt meiner Vorstellung von Metal im Zeitalter der digitalen Reproduzierbarkeit auf jeden Fall recht nahe. Sehr schön.

Nach soviel Krach noch ein wenig Beschaulichkeit. Vetiver wurden in einem NYTimes-Artikel letztens ausgiebigst gewürdigt. Da diese Musik auch nach Jahren des Erfolges in den USA maximal eine kleine Notiz in der Intro bekommt, von Posterboy Devendra Benhart mal abgesehen, ist den Amerikanern eigentlich nur alles Gute zu wünschen. Mit dem kommerziellen Erfolg wird es wohl trotzdem nichts werden…