kubia

Archive for November 2006|Monthly archive page

In Allgemein on November 24, 2006 at 11:08 am

Es muss also eindeutig etwas getan werden für das öffentliche Ansehen des Amoklaufs. Bastian B., der etwas pauschal, aber nicht ganz dumm „die Medien“ für den horriblen Geisteszustand der Welt verantwortlich machte, war kein guter Botschafter seiner Disziplin. Was hat der junge Mann falsch gemacht?

In Allgemein on November 20, 2006 at 10:51 pm

Gus Van Sant zeigt, dass in Pubertät und Adoleszenz nur eine Membran Alltag und Metaphysik trennt: Kontingenz, Tod, Schicksal, Sexualität, Unendlichkeit. Im entscheidenden Moment schaut die Kamera nach oben, wo ein Kondensstreifen eben diese Unendlichkeit etwa so unbeirrt und überlegen durchmisst wie diese Jugendlichen die Frühstücksräume der Transzendenz. Dazwischen immer der Sturz in die absolute Banalität. Kurze Begrüßungen mit anderen Jugendlichen, Verabredungen, Aufarbeitungen des Wochenendes, Teenagerprobleme. Aber Teenagerprobleme sind Teenagern, schon wenn sie sie aussprechen, wahnsinnig peinlich, weil sie nämlich eigentlich die ganze Zeit mit Gedanken zu Vergeblichkeit, Nichtigkeit und Endlichkeit der Existenz beschäftigt sind. Banalität ist ihnen viel schrecklicher als Erwachsenen.

Work, Work, Work (Pub, Club, Sleep)

In Hausieren on November 20, 2006 at 12:37 am

„And if my thought-dreams could be seen, they’d probably put my head in the calculating machine“, werden sich linke Befürworter eines Bedingungslosen Grundeinkommens in den letzten Wochen wohl häufiger gedacht haben.
Zuerst preschte die Konrad-Adenauer-Stiftung mit einem Gutachten nach vorne, dass dem BGE nicht nur Kostenneutralität bescheinigte, sondern mit Dieter Althaus gleich einen prominenten Fürsprecher erhielt. Die Schattenseiten steckten freilich im Detail: Zurückfahren aller öffentlichen Zuschüsse, Pflichtkrankenversicherung in Höhe von 200 Euro, fast scheint das BGE hier zur Armut per Gesetz zu werden.

Als nächstes äußerte dann Felix Klopotek eine harsche, aber fast schon prophetische Kritik in der Konkret, die im Kern zusammenzufassen wäre als „Wenn man schon Hartz IV für alle einführt, wäre das eine solche politische Kraftanstrengung, dass man die dafür eingesetzte Energie auch gleich für die Umgestaltung des Wirtschaftssystems nutzen könnte.“ Dass das BGE nicht zur Sonne, zur Freiheit und zum Lichte empor führt, damit hat Herr Klopotek vermutlich recht, aber ein wenig sorgloser leben wäre ja auch nicht schlecht.

Interessant ist jedoch die Wendung, die die Debatte zur Zeit im Freitag nimmt. Nachdem Götz Werner Anfang November nochmals seine Finanzierung über die Konsumsteuer verteidigte, bekam er in dieser Woche von dem Volkswirtschaftler Ulrich Busch reichlich Contra: Die Idee des BGE sei deswegen schwierig, weil mit dem Anreizsystem zur Arbeit auch ein notwendiger Faktor zum erxorbitanten Wirtschaftswachstum wegfiele, das nötig sei, um die Umverteilung zu finanzieren. Außerdem sei das BGE ein „Abschied von der kommunistischen Utopie, die bekanntlich auf Arbeit als erstes Lebensbedürfnis setzt.“

Soso, die Arbeit als Lebensbedürfnis? Da fällt mir doch das Nachschlagen von folgendem Zitat ein:
Außer der Anstrengung der Organe, die arbeiten, ist der zweckmäßige Wille, der sich als Aufmerksamkeit äußert, für die ganze Dauer der Arbeit erheischt, und um so mehr, je weniger sie durch eignen Inhalt und die Art und Weise ihrer Ausführung den Arbeiter mit sich fortreißt, je weniger er sie daher als Spiel seiner eignen körperlichen und geistigen Kräfte genießt.

Es weihnachtet bald

In Hausieren on November 18, 2006 at 11:56 pm

Das perfekte Weihnachtsgeschenk ist klein und mit viel Liebe handgemacht, genau wie Sketchbooks. „Eine rundum gelungene Sammlung des Wesentlichen“ lobt das Intro und auch der Rest der Fachpresse ist sich einig: Sketchbooks ist ein veritabler Hit. Bestellen können sie dieses Kleinod für nur 3,50 (inkl. Porto), das ist billiger als der Reclam-Faust und besitzt auch eine ansprechendere Farbgebung, über obiges Kontaktformular. Leider verpasst haben Sie aber schon die famose Release-Party. Welch ein Fest!

Time’s arrow

In Ton on November 16, 2006 at 2:36 am

Noch über die Langeweile bei Laptop-Performances reden zu wollen, ist genauso uninteressant wie diese selbst. Dass sich der „glorified typewriter“ als bühnentaugliches Instrument vollkommen durchgesetzt hat, vermutlich ebenso. Matmos haben das Problem durch die Liveschmelze von Eis und anderen Klanggimmicks überwunden, aber gleichzeitig auch darauf hingewiesen, dass Laptop-Music eigenlich dahin gehört, wo man sie entsprechend konsumieren kann: in den Konzertsaal. Unbeeindruckt von solch populärmusikalischen Diskussionen sitzt R. Luke DuBois derweil in seinem Büro in der Columbia University hinter dem Powerbook und zieht seine Strippen in Max/MSP, um sie dann irgendwann solo oder als Teil des Freight Elevator Quartets auf CD oder die Konzertbühne zu bringen. Auch seine neue CD „Timelapse“ versprüht den unwiderstehlichen Charme des Forscherdrangs, der Musique Concrète-Aufnahmen auch 50 Jahre nach dem Erscheinen noch aufregend macht. Und als ob diese Zuschreibungen noch nicht genug der Klischees wären, liefert DuBois auch gleich noch die passende Erläuterung seiner zeitbasierten Kunst mit:

„You can’t just speed up a sound and expect this to work. A time-domain acoustic wave will rise in pitch when played at a higher rate (think Alvin and the Chipmunks or, if you’re hipper than that, The Smiths‘ ‚Bigmouth Strikes Again‘). By turning the sound into frames of frequency domain information, we can speed up sound using a procedure called phase vocoding to change the timebase of an audio signal without altering its pitch. This works up to a point, but a lot of detail becomes lost as phrases become compressed to the level of events, events to the level of transients, and transients disappear entirely.“

Wenn man wie ich ein Faible für diese Form des Konzeptionellen Tüftlertums hat, hüpft das Herz gleich doppelt so hoch, nachdem man gelesen hat, dass Billboard kurze Soundfragmente aller Nummer Eins-Hits in den amerikanischen Charts bis 1999 zu einer toll klingenden Collage mixt und die CD mit „Time goes by“ beschlossen wird. Erschienen ist das ganze übrigens auf Cantaloupe Music in der guten Gesellschaft von So Percussion und Alarm Will Sound, deren herausragende Leistung die akustische Umsetzung von Aphex Twin-Stücken ist.

Wem das Herz jedoch nach konventionellerer Regung steht, sei auf den neuen Release von Cantaloup verwiesen. 9 wunderschöne Stücke, denen auch die nächstjährige Herbstdepression nichts anhaben können wird. Und die bislang auch noch kein Scheinwerferlicht gesehen haben.

Hinweis in eigener Sache

In Ton on November 15, 2006 at 9:48 pm

Tropige Trauben 9

1. Momus: Moop Bears
2. Excepter: Whirl Wind
3. Animal Collective: Baby Day
4. Madvillain: Figaro (St101 Mix)
5. Pete Rock: Grown Man Sport
6. Kano: 9 to 5
7. Team Doyobi: Sky Legends
8. Vert: Gretchen Askew
9. Phonopani: Fjernjernkontrollkon

Nach der verlorenen Zeit

In Allgemein on November 13, 2006 at 1:00 am

Bemerkenswerte 35 Minuten hat dieser Mensch mit dem Lesen meines Weblogs verbracht. Als Alternative dazu empfehle ich jedoch Jochen Schmidts Proust-Lektüre.
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Erlebnisschrott

In Allgemein on November 9, 2006 at 1:00 am


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