kubia

Time’s arrow

In Ton on November 16, 2006 at 2:36 am

Noch über die Langeweile bei Laptop-Performances reden zu wollen, ist genauso uninteressant wie diese selbst. Dass sich der „glorified typewriter“ als bühnentaugliches Instrument vollkommen durchgesetzt hat, vermutlich ebenso. Matmos haben das Problem durch die Liveschmelze von Eis und anderen Klanggimmicks überwunden, aber gleichzeitig auch darauf hingewiesen, dass Laptop-Music eigenlich dahin gehört, wo man sie entsprechend konsumieren kann: in den Konzertsaal. Unbeeindruckt von solch populärmusikalischen Diskussionen sitzt R. Luke DuBois derweil in seinem Büro in der Columbia University hinter dem Powerbook und zieht seine Strippen in Max/MSP, um sie dann irgendwann solo oder als Teil des Freight Elevator Quartets auf CD oder die Konzertbühne zu bringen. Auch seine neue CD „Timelapse“ versprüht den unwiderstehlichen Charme des Forscherdrangs, der Musique Concrète-Aufnahmen auch 50 Jahre nach dem Erscheinen noch aufregend macht. Und als ob diese Zuschreibungen noch nicht genug der Klischees wären, liefert DuBois auch gleich noch die passende Erläuterung seiner zeitbasierten Kunst mit:

„You can’t just speed up a sound and expect this to work. A time-domain acoustic wave will rise in pitch when played at a higher rate (think Alvin and the Chipmunks or, if you’re hipper than that, The Smiths‘ ‚Bigmouth Strikes Again‘). By turning the sound into frames of frequency domain information, we can speed up sound using a procedure called phase vocoding to change the timebase of an audio signal without altering its pitch. This works up to a point, but a lot of detail becomes lost as phrases become compressed to the level of events, events to the level of transients, and transients disappear entirely.“

Wenn man wie ich ein Faible für diese Form des Konzeptionellen Tüftlertums hat, hüpft das Herz gleich doppelt so hoch, nachdem man gelesen hat, dass Billboard kurze Soundfragmente aller Nummer Eins-Hits in den amerikanischen Charts bis 1999 zu einer toll klingenden Collage mixt und die CD mit „Time goes by“ beschlossen wird. Erschienen ist das ganze übrigens auf Cantaloupe Music in der guten Gesellschaft von So Percussion und Alarm Will Sound, deren herausragende Leistung die akustische Umsetzung von Aphex Twin-Stücken ist.

Wem das Herz jedoch nach konventionellerer Regung steht, sei auf den neuen Release von Cantaloup verwiesen. 9 wunderschöne Stücke, denen auch die nächstjährige Herbstdepression nichts anhaben können wird. Und die bislang auch noch kein Scheinwerferlicht gesehen haben.

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