kubia

Home sweet Home

In Allgemein on Dezember 7, 2006 at 12:02 am

In Abwesenheit eines unmittelbar bevorstehenden Anlasses hab ich auch mal ein wenig im stillen Kämmerlein gebrütet. Wenn es richtig ist, dass die US-Armee die Äußerungen von Soldaten in Blogs zulässt, was macht das Fernsehen eigentlich aus diesen Geschichten?

Und bin dann auf „Over there“ gestoßen, eine kurze Serie von Steven Bochco, die sowohl bei Iraksoldaten als auch beim breiten Publikum kein besonderes Wohlgefallen gefunden hat. Dann sind mir mehr Beispiele eingefallen.

Bei Veronica Mars gibt es in Staffel 2 die Figur von Lucky, dessen Namensgebung wohl zu offensichtlich ironisch ist. Als Mißbrauchsopfer und Golfkriegs-Verwundeter ist er der Hausmeister der High School und sein Freundeskreis besteht aus High School-Students, denen er billiges Dope besorgt. Selbstverständlich muss er irgendwann durchdrehen, welche der beiden Vorgeschichten da ursächlicher ist, bleibt offen.

In Studio 60 on the Sunset Strip sind die Anspielungen auf Irak und den Red-Blue Divide auch ziemlich offensichtlich. Nicht nur kritisiert Aaron Sorkin gleich in der ersten Folge die Fixierung aktueller Comedy, also Colbert und Jon Stewart, auf den Präsidenten, die neverending romance zwischen Harriet und Matt soll wohl irgendwie symbolisch für die Versöhnung von (christlichem) Heartland und (jüdischer) Liberalität stehen. Ganz offensichtlich wird es jedoch in der Doppelfolge „Nevada Day„. John Skeeter wird in ein ziemliches Wüstennest namens Perumb, Nevada gebracht, weil er dort nicht zu einer Gerichtsverhandlung erschienen ist. Der örtliche Richter lässt den jungen Comedy-Star erst zappeln, dann aber laufen, weil sein Bruder sich schon zum dritten Mal als Soldat für den Irak verpflichtet hat.

Über Battlestar Galactica und den Irakkrieg ist ja schon eine Menge geschrieben worden, interessant erscheinen mir dabei die ersten fünf Folgen der dritten Staffel. Nachdem also die Kämpfe um New Caprica vorbei sind, kehren die Siedler zurück auf die Galactica, wo Saul Tigh Selbstjustiz mit vermeintlichen Verrätern betreibt. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen denen die „with us“ or „against us“ waren, in nicht zu übersehender Weise.

Vorläufige Conclusio:
1. Serien ohne realistischen Anspruch (VM, Galactica) scheinen eine drastischere Darstellung der Kriegsheimkehrerproblematik zu ermöglichen.
2. Das Thema Irak scheint im Fernsehen niemand so wirklich zu interessieren. Over There wurde nach der ersten Staffel nicht verlängert, bei Studio 60 stand eine Fortsetzung auch lange Zeit in den Sternen, besonders im Vergleich mit Sorkins sonstigen Erfolgen selbstverständlich eine ziemliche Enttäuschung. Wie wohl die Zugriffszahlen bei Blogs sind?
3. Was tatsächlich noch nicht aufgetreten zu sein scheint, ist die Darstellung eines prototypischen Kriegsheimkehrers wie z.B. Ron Kovic in Born on the Fourth of July. Warum das so ist, kann ich mir noch nicht so ganz erklären.

Geteilte Ratlosigkeit ist halbe Ratlosigkeit, ist sonst noch jemandem was Interessantes dazu eingefallen? Ich musste auch z.B. an Harald Welzer und seine Studien über die Erinnerung von Kriegsheimkehrern denken, in denen er herausgefunden hat, wie sehr fiktionale Darstellungen auf die Erinnerung zurückwirken. Ideas anyone?

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