kubia

Bun=Kleine Brötchen?

In Ton on März 26, 2008 at 4:36 am

Ok, der Bounty Killer spielt jetzt also nicht in Essen. Das ist ja auch in Ordnung. Interessant ist da aber die Erklärung des Veranstalters:

Wir stehen dazu den Weg des Künstlers Bounty Killer zu akzeptieren, sich bisher nicht einer öffentlichen Distanzierung seiner/dieser inzwischen fast über 10 Jahre alten Texte anzuschließen, wie es andere Artists z.B in England getan haben.Wir kennen die menschenunwürdige Situation von Schwulen und Lesben auf Jamaica und lehnen diese Diskriminierung, die dort in Medien und Politik Mainstream ist ab!! Jedoch ist Jamaica quasi in Bürgerkriegsähnlichen Zuständen. Alle 6 Stunden wird dort ein Mensch erschossen – bei einer Einwohnerzahl die unter der Einwohnerzahl von Berlin liegt (Jamaica = ca 2.800.000 Einwohner)!! Wir sind der Meinung, dass es den Jamaicanern selbst zu überlassen ist, dass Tempo zu bestimmen und diese Problematiken aufzuarbeiten. Einmischung nach Art: Wir sind die Zivilisierten und Ihr müsst euch sofort ändern, schürt dort unten doch nur den Hass, stärkt den Mainstream und verhärtet die Fronten!!

Ist so ein kruder Antikolonialismus eigentlich unter Reggae-Veranstaltern sehr verbreitet? Mir fehlen da die Kenntnisse, obwohl ich durchaus in der Lage bin, Patois zu verstehen. Wie metaphorisch jetzt „bun“ gemeint sein soll, ist mir da relativ egal, der Großteil der Jamaikaner scheint jedenfalls mit dem vierfachen Schriftsinn nicht so vertraut und nimmt das gerne mal wörtlich. Warum das in Deutschland gerne apologetisch gesehen wird, hat Olaf Karnik vor einiger Zeit mal beleuchtet:

Die Eins zu Eins-Aneignung jamaikanischer Standards wird extrem problematisch, wenn sie sich nicht mehr auf Methoden, Styles, Techniken, Ästhetik beschränkt, sondern, um der Authentizität willen, sogar reaktionärste Inhalte bejaht. Wer hier „Chi Chi Man“ tatsächlich so meint wie in Jamaika, verleugnet vor allem die eigene Geschichte: 20 Jahre als Reggae-Fan Gegenkultur gelebt und aufgebaut und dabei ganz den gesellschaftlichen und politischen Kontext der Spießer-BRD zu vergessen, der einst dazu motivierte, in „Stand Up For Your Rights“, „Legalize It“ oder „Bass Culture“ mehr zu hören als Musik.

Das muss man ja irgendwie nicht weiter kommentieren, diese Debatte ist ja schon häufig geführt forden. Trotzdem warte ich eigentlich auf den Tag, an dem Monika Griefahn sich dazu äußert. Achja, am 19.Mai wird Sizzla in der Livestation erwartet – hoffentlich.

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