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Archive for the ‘Allgemein’ Category

Nerdism

In Allgemein on Dezember 16, 2006 at 8:47 pm

Persönliches Selbstzitat des Tages: In der letzten Folge von The Wire liegt ein verletzter Bewohner des ärmlichen West Baltimore im Krankenhaus, während sein Bettnachbar auf dem Monitor Al Swearengen in charakteristischer Wortwahl zusieht. Und was sagt der WASP-Bettnachbar: „Hehe, he said ‚motherfucker‘!“

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In Allgemein on Dezember 16, 2006 at 6:35 pm

Hm, da haben die Gerüchte wohl nur halb gestimmt. Interessant aber in jedem Fall die kommentierende Leserschaft. Mich würde aber auch mal interessieren, was an der Spex denn eigentlich noch wichtig gewesen ist? Ich mochte z.B. immer die Themen von Tim Stüttgen ganz gerne, auch wenn bei denen eigentlich fast nur der Spex-Kontext überraschte und sie so gesehen alles andere als „neu“ waren. Judith Halberstam, z.B. ist ein gutes und interessantes Thema, aber in den USA durchaus schon eine der Größen der Queer Theory.

Vielleicht ist diese Erwartungshaltung aber die eigentliche Macke an Spex. Anstatt politische und theoretische Auseinandersetzungen mitzutragen, kam es mir sovor, als ob selbst die Theorie immer als Neuigkeit mit naheliegendem VÖ-Datum verkauft wurde, die Artikel waren sehr hermetisch und haben nur wenig auf andere Veröffentlichungen Bezug genommen. War es nicht super, über ein Thema einen Artikel in der Jungle World zu lesen, dann die entsprechende Perspektive in Spex und dann noch eine andere an wieder einem anderen Ort, aber alle durch ein Milieu irgendwie verbunden? Aber das ist irgendwie vorbei, warum das so ist? Keine Ahnung…

In Allgemein on Dezember 12, 2006 at 12:07 pm

Schön ist ja auch, wie viele dieser „Meine Zeit mit Tempo“-Artikel im letzten Absatz auf den blonden Schnösel hinweisen, der kurz vor dem Ende der Zeitschrift in der Redaktion anheuerte. Wenn ich mal ein Prominentenlexikon oder das Register der Gala schreibe, werde ich „Schnösel“ vor „Schwiegersohn“ setzen und hinter letzteren „s.a. Bundeskanzler (gefühlt)“

Keine neuen Eitelkeiten

In Allgemein on Dezember 11, 2006 at 10:54 am

Ulf Poschardt ist ein Blattmacher, bei dem man sich wünscht, er würde ein solches häufiger vor den Mund nehmen. Trotzdem möchte ich ihm ein großes Lob für den Internetauftritt der deutschen Ausgabe von Vanity Fair aussprechen. Wer vollmundig verkündet: „Jede Lektüre wird zum Abenteuer: Stereotypen und Klischees haben keine Chance. Überraschung ist Pflicht“ und dabei eine Fotoleiste laufen lässt, die das Brandenburger Tor, Schumi und Beckenbauer beim Pläuschchen, Moritz Bleibtreu beim Busseln des Bären und die Klassenstreberinnen Angie und Condie beim Tuscheln präsentiert, dem glaubt man aufs Wort, dass sich seine Zeitschrift an Leser wendet, die „in Serien wie „Sex and the City“ mit diesem Heft konfrontiert worden“ sind.

Klüngel-News

In Allgemein on Dezember 11, 2006 at 8:35 am

Was musste ich gestern vorm Abendessen erfahren? Die Spex macht angeblich nach der nächsten Doppelnummer dicht, der einzige Umzugswillige hat wohl die Kündigung erhalten, Miese habe man eh schon länger gemacht und da der Rest der Redaktion lieber im Schatten von Dom und Stereo Wonderland sein Kölsch schlürft, war’s das dann wohl.

PS: Wenn das nur eins dieser Medienklatsch-Gerüchte sein sollte, bei mir habt ihr zuerst geglaubt!

In Allgemein on Dezember 10, 2006 at 1:21 am

Die Suchanfragen „Dietmar Dath“ machen mittlerweile einen nicht unbeträchtlichen Teil der Logs aus, damit das so bleibt, hier noch ein weiterer Hinweis:

Für mich sieht die Welt so aus, als funktioniere sie eher übers Erzählen als übers Begründen. Gründe haben zwar ihren legitimen Platz im Sozialverhalten – ohne sie, etwa als sprachliche Kürzel für Ursache-Wirkung-Zusammenhänge, zum Koordinieren gemeinsamen Handelns unter Leuten etc., geht’s nicht. Aber das Große Ganze, die Totalität, ist eher eine Geschichte als ein Argument. Und weil sich das für mich so ausnimmt, komme ich immer dann, wenn es für mich grundsätzlich wird, auch selber ins Erzählen.

Kennt jemand eigentlich Jerome Bruners „Actual Minds, Possible Worlds“? Bruner expliziert dort einen „narrative mode of thought“ und stellt diesem dem logisch-deduktiven Denken einher.

Endlich mal Zielgruppe

In Allgemein on Dezember 7, 2006 at 12:32 am

Denn ins Visier genommen haben die Weihnachts-Ideologen der „Neuen Rechten“ ganz neue Zielgruppen. (via antimateur)

Home sweet Home

In Allgemein on Dezember 7, 2006 at 12:02 am

In Abwesenheit eines unmittelbar bevorstehenden Anlasses hab ich auch mal ein wenig im stillen Kämmerlein gebrütet. Wenn es richtig ist, dass die US-Armee die Äußerungen von Soldaten in Blogs zulässt, was macht das Fernsehen eigentlich aus diesen Geschichten?

Und bin dann auf „Over there“ gestoßen, eine kurze Serie von Steven Bochco, die sowohl bei Iraksoldaten als auch beim breiten Publikum kein besonderes Wohlgefallen gefunden hat. Dann sind mir mehr Beispiele eingefallen.

Bei Veronica Mars gibt es in Staffel 2 die Figur von Lucky, dessen Namensgebung wohl zu offensichtlich ironisch ist. Als Mißbrauchsopfer und Golfkriegs-Verwundeter ist er der Hausmeister der High School und sein Freundeskreis besteht aus High School-Students, denen er billiges Dope besorgt. Selbstverständlich muss er irgendwann durchdrehen, welche der beiden Vorgeschichten da ursächlicher ist, bleibt offen.

In Studio 60 on the Sunset Strip sind die Anspielungen auf Irak und den Red-Blue Divide auch ziemlich offensichtlich. Nicht nur kritisiert Aaron Sorkin gleich in der ersten Folge die Fixierung aktueller Comedy, also Colbert und Jon Stewart, auf den Präsidenten, die neverending romance zwischen Harriet und Matt soll wohl irgendwie symbolisch für die Versöhnung von (christlichem) Heartland und (jüdischer) Liberalität stehen. Ganz offensichtlich wird es jedoch in der Doppelfolge „Nevada Day„. John Skeeter wird in ein ziemliches Wüstennest namens Perumb, Nevada gebracht, weil er dort nicht zu einer Gerichtsverhandlung erschienen ist. Der örtliche Richter lässt den jungen Comedy-Star erst zappeln, dann aber laufen, weil sein Bruder sich schon zum dritten Mal als Soldat für den Irak verpflichtet hat.

Über Battlestar Galactica und den Irakkrieg ist ja schon eine Menge geschrieben worden, interessant erscheinen mir dabei die ersten fünf Folgen der dritten Staffel. Nachdem also die Kämpfe um New Caprica vorbei sind, kehren die Siedler zurück auf die Galactica, wo Saul Tigh Selbstjustiz mit vermeintlichen Verrätern betreibt. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen denen die „with us“ or „against us“ waren, in nicht zu übersehender Weise.

Vorläufige Conclusio:
1. Serien ohne realistischen Anspruch (VM, Galactica) scheinen eine drastischere Darstellung der Kriegsheimkehrerproblematik zu ermöglichen.
2. Das Thema Irak scheint im Fernsehen niemand so wirklich zu interessieren. Over There wurde nach der ersten Staffel nicht verlängert, bei Studio 60 stand eine Fortsetzung auch lange Zeit in den Sternen, besonders im Vergleich mit Sorkins sonstigen Erfolgen selbstverständlich eine ziemliche Enttäuschung. Wie wohl die Zugriffszahlen bei Blogs sind?
3. Was tatsächlich noch nicht aufgetreten zu sein scheint, ist die Darstellung eines prototypischen Kriegsheimkehrers wie z.B. Ron Kovic in Born on the Fourth of July. Warum das so ist, kann ich mir noch nicht so ganz erklären.

Geteilte Ratlosigkeit ist halbe Ratlosigkeit, ist sonst noch jemandem was Interessantes dazu eingefallen? Ich musste auch z.B. an Harald Welzer und seine Studien über die Erinnerung von Kriegsheimkehrern denken, in denen er herausgefunden hat, wie sehr fiktionale Darstellungen auf die Erinnerung zurückwirken. Ideas anyone?

In Allgemein on November 24, 2006 at 11:08 am

Es muss also eindeutig etwas getan werden für das öffentliche Ansehen des Amoklaufs. Bastian B., der etwas pauschal, aber nicht ganz dumm „die Medien“ für den horriblen Geisteszustand der Welt verantwortlich machte, war kein guter Botschafter seiner Disziplin. Was hat der junge Mann falsch gemacht?

In Allgemein on November 20, 2006 at 10:51 pm

Gus Van Sant zeigt, dass in Pubertät und Adoleszenz nur eine Membran Alltag und Metaphysik trennt: Kontingenz, Tod, Schicksal, Sexualität, Unendlichkeit. Im entscheidenden Moment schaut die Kamera nach oben, wo ein Kondensstreifen eben diese Unendlichkeit etwa so unbeirrt und überlegen durchmisst wie diese Jugendlichen die Frühstücksräume der Transzendenz. Dazwischen immer der Sturz in die absolute Banalität. Kurze Begrüßungen mit anderen Jugendlichen, Verabredungen, Aufarbeitungen des Wochenendes, Teenagerprobleme. Aber Teenagerprobleme sind Teenagern, schon wenn sie sie aussprechen, wahnsinnig peinlich, weil sie nämlich eigentlich die ganze Zeit mit Gedanken zu Vergeblichkeit, Nichtigkeit und Endlichkeit der Existenz beschäftigt sind. Banalität ist ihnen viel schrecklicher als Erwachsenen.